Ob Bürokratie Fachkräftemangel oder Schwarzarbeit: Der Austausch der Göppinger CDU-Landtagsabgeordneten Sarah Schweizer mit der Kreishandwerkerschaft Göppingen stand ganz im Zeichen der Themen, die unsere mittelständischen Handwerksbetriebe im Kreis umtreiben. Einig waren sich die versammelten Innungsobermeister darin, dass der stetig zunehmende Bürokratieaufwand längst zu einer unzumutbaren Belastung für die Betriebe geworden ist. Daher müsse der Regulierungs-Dschungel gelichtet und die Komplexität der Vorgaben auf ein sinnvolles Maß zurückgeführt werden. Bei der Landtagsabgeordneten rannten die Teilnehmer mit dieser Forderung offene Türen ein. „Gerade angesichts der drastischen wirtschaftlichen Entwicklung im Land braucht es einen konsequenten Bürokratieabbau und nicht immer neue Vorgaben, die an der Praxis vorbeizielen. Wo kein Gesetz nötig ist, muss man auch keines erlassen“, kommentierte Schweizer dabei nicht zuletzt die aktuelle Diskussion um das Gleichbehandlungsgesetz.
Doch nicht nur die Bürokratie macht dem Handwerk zu schaffen. Einhellige Meinung unter den Vertretern der Göppinger Innungen war es, dass die etablierten Betriebe zunehmend auch mit unlauterem Wettbewerb durch Mitbewerber im Graubereich zur Illegalität konfrontiert sind. Diese Unternehmen bildeten nicht aus, seien nicht in der Kreishandwerkerschaft organisiert und fielen regelmäßig durch die mangelhafte Qualität der erbrachten Leistungen auf. Die Landtagsabgeordnete zeigt sich besorgt über diese Entwicklung. Hier gelte es, die schwarzen Schafe im Blick zu behalten und gesetzliche Schlupflöcher zu schließen.
Acht Monate, bis eine Stelle besetzt ist
Zur Sprache kam auch die schwierige personelle Situation des Handwerks. So dauere es in Baden-Württemberg trotz zahlreicher Initiativen des Landes gegen den Fachkräftemangel durchschnittlich fast acht Monate, bis Handwerksbetriebe eine offene Stelle besetzen können. Die Zahl der neuen Ausbildungsverhältnisse liege trotz eines Anstiegs im vergangenen Jahr zudem noch immer deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau.
Image des Handwerks verbessern
Dabei leide das Handwerk auch unter einem Imageproblem: Vielerorts herrschten noch immer überholte Vorstellungen von einem rein körperlich belastenden Arbeitsalltag vor, während in der Realität die Digitalisierung längst auch das Handwerk erreicht hat. „Gerade Gymnasiasten wissen oft nicht, wie viele Berufschancen im Handwerk stecken, da ihnen die praktischen Einblicke fehlen. Dabei ist ein Meister nicht weniger wert als ein Master. Als Land haben wir deshalb auf Initiative unserer CDU-Fraktion eine Meisterprämie von 1.500 Euro für jeden erfolgreichen Absolventen der Meisterprüfung im Handwerk eingeführt“, so Schweizer.
Große Chancen für einen Imagewandel sieht die Abgeordnete neben einer engen Zusammenarbeit mit den Schulen in der Region vor allem auch in einer stärkeren Sichtbarkeit des Handwerks auf den digitalen Kanälen. Auch Kreishandwerksmeister Jürgen Schmid zog eine positive Bilanz des Gesprächs: „Es war ein intensiver und fruchtbarer Austausch und wir hoffen, dass die Anregungen und Nöte unserer Mitglieder nicht nur gehört werden, sondern Maßnahmen der Politik folgen – ich bin nach diesem Gespräch aber guter Dinge.“


